Die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) wirkt sich auch in Deutschland auf alle Lebens- und Arbeitsbereiche aus – und wirft die Frage auf, wie sich der Wandel vorteilhaft und verantwortungsvoll zugleich gestalten lässt. Folge vier unserer Digitalserie liefert Antworten.

In der Diskussion über rechtliche und ethische Aspekte von KI vermischen sich berechtigte Anliegen mit unbegründeten Ängsten. Berechtigt sind zum Beispiel Fragen nach Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollmechanismen, wenn KI-Algorithmen lebenswichtige Entscheidungen treffen, etwa im juristischen Bereich oder in der medizinischen Diagnostik. Wie schwer eine klare Antwort auf die Frage fällt, wer im Einzelfall die Verantwortung für fatale Entscheidungen übernehmen soll, wird in der Debatte über das autonome Fahren deutlich. Jeder kann sich eine Situation vorstellen, in der sich ein Unfall nicht mehr vermeiden lässt und das autonome Fahrzeug in Bruchteilen von Sekunden über das Leben
und den Tod von Verkehrsteilnehmern entscheiden muss. Nach welchen Prinzipien sollen solche Entscheidungen fallen? Eine verbindliche Antwort ist bislang nicht gefunden.

Eigene Daten schützen

Auch die Sorge um den Datenschutz und die Privatsphäre ist verständlich. Im Prinzip aber bilden in Deutschland das Grundgesetz, Gesetze und die Datenschutzgrundverordnung der EU einen sinnvollen, für die digitale Welt gültigen Rechtsrahmen. Gefährlich ist eher ein leichtfertiger Umgang von Nutzern mit ihren eigenen Daten. Und was ist von Prognosen zu halten, die für die fernere Zukunft die Weltherrschaft superintelligenter Maschinen voraussagen? Alle KI-Systeme lösen ausschließlich spezielle Aufgaben. Aber die Systeme selbst sind Maschinen oder Algorithmen. Sie haben keine Gefühle und kein Bewusstsein, sondern verfolgen nur Ziele, für die sie programmiert sind. Roboter, die nicht nur
Einzelaufgaben lösen, sondern der menschlichen Intelligenz in ihrer Breite nahekommen, sind auch für die nächsten Jahrzehnte eine Illusion.

Deutschlands Stärken nutzen

Oft ist von der Dominanz der vier US-amerikanischen Internet-Giganten Google, Facebook, Amazon und Apple die Rede. In den Hintergrund treten dabei die guten Voraussetzungen, die Deutschland durch seine Verbindung aus klassischem Ingenieurwissen, theoretischer Fundierung und hoher KI-Forschungskompetenz hat. „Wenn wir die neuen Möglichkeiten der KI mit den klassischen Stärken unserer Unternehmen kombinieren, können wir neue Chancen im internationalen Wettbewerb schaffen und den digitalen Wandel nach unseren Wertvorstellungen gestalten“, sagt Professor Stefan Wrobel, einer der prägenden KI-Experten in Deutschland.

In der Tat hat KI das Potenzial, die Lebensqualität zu verbessern und der Menschheit bei der Überwindung von Krankheiten, Armut und Ungleichheit zu helfen. Ein solcher Fortschritt setzt Gestaltungswillen und politische Digitalkompetenz zwingend voraus. Die Politik darf die KI-technologischen Entwicklungen nicht einfach nur laufen lassen, sondern muss sie im Dialog mit führenden Experten fördern und gestalten. Andernfalls wird sie ihrer Verantwortung nicht gerecht.

Der dramatischste Nachholbedarf besteht jedoch im Bereich der digitalen Aufklärung und Bildung. Und da geht es nicht in erster Linie um die Ausstattung aller Schüler mit einem Tabletcomputer, sondern um die digitalen Kerninhalte des Unterrichts. Ohne diese Inhalte und ein Grundverständnis für algorithmische Prinzipien bleiben Medienkompetenz und
digitale Bildung substanzlos.

 

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